• Daniel

Masters of the Metaverse? Was HR jetzt wissen sollte und wieder vergessen darf!

Das Metaversum! Eines der top-aktuellen Hypethemen. Spätestens durch die Umbennenung von Facebook zu Meta hervorgerufen. Die kurz darauf folgende Ankündigung umfassender Investitionen in Europa mit dem klaren Ziel "das Metaverse" mit Leben zu füllen, tat ihr Übriges. Neu, digital, virtuell, interaktiv, grenzenlos, spaßig, ... klar, cooler Marketingpitch. Aber ... ich habe Fragen.

  • Was ist dieses Metaversum eigentlich?

  • Warum ist das nicht einfach nur ein Trend?

  • Was müssen die Akteure modernen People Managements darüber wissen?

  • Was ist Hype und darf vergessen werden?

In diesem etwas längeren Blogbeitrag findet ihr einige Antworten auf diese Fragen. Ich versuche euch die aktuell gesicherten Fakten zu liefern. Dann könnt ihr entscheiden, ob dieses Metaversum was für euch oder euer People Management ist.


Was ist das Metaversum?

Um es ganz klar vorweg zu sagen: Für mich ist das Metaversum (oder die Metaversen) aktuell vielmehr eine Vision, als ein heute bereits bestehender und klar definierter Ort. Diese Vision beschreibt ein Metaversum als einen virtuellen Raum kollektiver Interaktion, der durch die Verschmelzung physischer und virtueller Realität auf Basis der Internettechnologie entsteht. Stellt euch das Metaversum als eine umfassend erlebbare virtuelle Realität vor, in die Ihr u.a. mittels VR-Headset und haptischem Bodysuit eintreten könnt. In seiner vollen Ausbaustufe wäre diese Realität in eurer Wahrnehmung kaum noch von der tatsächlichen physischen Realität unterscheidbar. Alle Sinneswahrnehmungen würden so realistisch simuliert, dass ihr wie im Spielfilm Ready-Player-One quasi im Metaverum "leben könnt". Zusätzlich umspannt ein solches Metaversum dann auch Apps und Tools aller Kategorien (z.B., Messaging, Blogging, Videoconferencing, Gaming) oder löst diese gleich ab. Wie gesagt, diese volle Ausbaustufe liegt noch in weiter Ferne, was u.a. mit den weiter unten beschriebenen Herausforderungen im Abschnitt "Hype" zusammenhängt.

Warum ist das Metaversum nicht nur ein weiterer Trend?

Die Unausgereiftheit bedeutet aber nicht, dass das Metaversum nicht bereits teilweise zugänglich wäre. Denn es hat bereits eine Art "Urknall" gegeben. Meta - the artist formerly known as Facebook - hat im Juli 2021 angekündigt ein Metaversum inklusive leichtem Zugang über VR-Technologie ins Leben zu rufen. Dazu will Meta eng mit einem anderen Branchenriesen namens Amazon kooperieren. Epic Games, die Firma hinter dem extrem erfolgreichen Social-Experience-Spiel "Fortnite", will mit Hilfe einer Finanzierungsrunde von 1 Mrd. US-Dollar ebenfalls seine Vision vom Metaversum verfolgen. Auch Microsoft, Apple und Nvidia sind bereits mit eigenen Plänen ins Rennen um die Vorherrschaft im Metaversum eingestiegen. Compuerspiele wie "The Sandbox" oder "Roblox" erlauben Spieler:innen bereits auf Basis von Kryprowährung und Nicht-fungibler Tokens (NFT) eigene Inhalte zu erzeugen, in einer offenen Spielwelt zu interagieren und sogar zu handeln. Dass die Spieleindustrie hier als Innovator gilt, ist nicht verwunderlich. Auch bei der (Weiter-)Entwicklung künstlicher Intelligenz oder dem Schürfen von Kryptowährungen sind dort entwickelte Technologien maßgeblich (z.B., Grafikkarten und ihre extreme Rechenleistung).


Erste große Firmen setzen auch auf eine eigene Präsenz im Metaversum. So hat möchten Adidas, Nike und Niantic (Pokemon-Go) jeweils in unterschiedlicher Form frühzeitig dabei sein. Dies kann, ähnlich wie vor einigen Jahren bei Second Life, zunächst auf Marketingaktivitäten und die Erstellung bzw. den Verkauf von NFTs beschränkt sein. So hat Gucci in Kooperation mit Roblox eine virtuelle Sonderedition einer Handtasche herausgebracht, die tatsächlich für über 4000 US-Dollar gekauft wurde...ca. 700 $ über dem Preis in der realen Welt ;). In der vollen Ausbaustufe werden Konsumenten im Metaversum den virtuellen Flagship-Store betreten, dort die Produkte ausprobieren und diese dann auch kaufen und zusätzlich in der realen Welt per Lieferung erhalten.


Diese Initiativen bekannter Unternehmen allein sind jedoch nicht der Grund warum das Metaversum mehr als nur ein Trend ist. Jon Radoff zeigt in seinem exzellenten Überblick 9 Megatrends auf, die einen Shift in Richtung eines oder mehrerer Metaversen deutlich begünstigen. Wichtiger Aspekt: Das Metaversum verbindet soziale und technologische Megatrends. Das ist ein sehr solides Fundament für eine mögliche Erfolgsgeschichte.

Im Grunde ist diese Entwicklung mit der aktuellen technologischen Revolution rund um schwache KI zu vergleichen. Maschinelles Lernen allein hat nicht gereicht, um intelligenter Software zum Durchbruch zu verhelfen. Es waren u.a. die Megatrends Rechenkapazität, Cloud Computing, Internet of Things (and People), Speichervolumen, Echtzeitdatenströme und neuronale Netze, die zusammen einen Wendepunkt der technologischen Entwicklung ausgelöst haben.


Puhhh...seit ihr noch an Bord für ein kleines Zwischenfazit?

Stand heute ist das Metaversum als Idee mit ersten Use Cases bereits erlebbar. Und diese virtuelle Welt zieht zunehmend verschiedene Akteure samt ihrer Fähigkeiten, Motive, Kreativität und Wünsche an. Daher kann es für euch auch Sinn machen sich mit der potenziellen Rolle eines modernen Personalmanagements im Metaversum zu befassen. Die Vollausbaustufe einer reibungslos erweiterten Realität im virtuellen Raum wird aber mindestens noch ein Jahrzehnt auf sich warten lassen. Zieht euch also die nachfolgenden Hopes und Hypes rein und wägt ab, ob ihr zu diesem frühen Zeitpunkt bereits HR-Cases für das Metaversum entwickeln wollt.


Was ist Hope und was ist Hype?

Die Hoffnungen rund um das Metaversum ruhen zusätzlich zu den bereits besprochenen Themen auf folgenden Eigenschaften der Vollausbaustufe.

  • Das Metaversum ist ein co-kreatives Ökosystem und Plattform basierte Unternehmen wie Alphabet, Facebook oder Apple waren in der jüngeren Vergangenheit sehr erfolgreich. Sie haben mit ihren Technologien unser Leben grundsätzlich verändert.

  • Das Metaversum ist DIE virutelle Experience Economy. Es verbindet verschiedene Technologien zu einem Gesamterlebnis und macht eine Vielzahl menschlicher Erfahrungen ohne direkte räumliche und zeitliche Nähe möglich.

  • Das Metaversum passt extrem gut zu Work from Home. Es setzt auf dem fortschreitenden Trend der hybriden Arbeits- und Lebenswelt auf und gibt uns einen virtuellen und ganzheitlichen Raum zur Interaktion.

  • Das Metaversum ist eine Plattform für die globale Gig- und Creator-Economy. Es schafft einen Ort für das Matching von Freelancer:innen und ihren Kund:innen, in dem alle virtuellen Produkte und Dienstleistungen erstellt, gehandelt und verwendet werden können.

Der Hype rund um das Metaversum wird von den folgenden Herausforderungen deutlich eingebremst.

  • Technologie: Das Metaversum bedarf der massiven Weiterentwicklung verschiedener Technologiebausteine. Aktuell haben viele Menschen noch teils erhebliche Probleme mit Motion Sickness, inakkurater Sinneswahrnehmung. Zusätzlich bestehen noch Herausforderungen bei der reibungsfreien Integration mit der Realität und deutliche Unklarheiten bei der Sicherheit von Transaktionen und "Eigentumsverhältnissen". Auch die haptische Dimension, also z.B. das genaue Greifen oder die Übertragung von Berührungen steckt noch in den Kinderschuhen.

  • Zielgruppen: Potenzielle Nutzer:innen brauchen eine Art Metaversum-Kompetenz. Das aktuelle Metaversum-Gloassar von Metavert zeigt 58 Kernbegriffe, die im Umfeld eines Metaversums eine gewisse Relevanz haben. Zwar kann man auch ohne tiefe Kenntnisse dieser Begriffe teilnehmen. Aber wie so oft hängt der Erfolg der eigenen Teilnahme durchaus vom Verständnis für die wichtige Technologiebausteine ab.

  • Inklusion: Das Metaversum ist nicht so inklusiv, wie es scheint. Für die Teilnahme brauchen Menschen u.a. eine schnelle und stabile Internetverbindung, volle Wahrnehmungsfähigkeit in virtueller Realität und die finanziellen Mittel für die noch recht hohen Anfangsinvestitionen (u.a. in Rechenpower, Grafikchips, hochwertige VR-Headsets). Wie nimmt ein blinder Mensch am Metaversum teil? Solche Fragen müssen geklärt werden.

  • Substanz: Ein Metaversum als 2nd Life auf Sterioden wird nicht ausreichen. Es muss mehr werden als eine "alternative Welt", in der Menschen sich virtuell treffen und miteinander kommunizieren könnnen. Ein echtes Metaversum hilft benachteiligten Menschen bei der Teilhabe am globalen Leben, ermöglicht Kreativität, reißt Grenzen ein und schafft klare Pfade für sozialen Aufstieg.

  • Suchtpotenzial und Regulation: Die virtuell erweiterte Realität wird nicht von den Abgründen der realen Welt befreit sein. Beispiel gefällig? Das noch junge Metaversum hat bereits ersten Fälle von sexueller Belästigung hervorgebracht. Die Verhinderung solcher Handlungen, deren Regulierung und Verfolgung und die Milderung des Suchtpotenzials einer so umfassenden Technologie muss im Vordergrund der Weiterentwicklung stehen.

Fazit: Welche HR-Relevanz hat das Metaversum?

Das Metaversum steckt in den Kinderschuhen...naja, vielleicht sogar eher noch in den Säuglingssocken. Es hat allerdings alle technologischen und auch ein paar soziale Voraussetzungen eine Art neues Internet zu werden. Einige sehr finanzstarke und innovative Unternehmen wollen ihre eigene Metaversum-Vision ins Leben rufen. Daher wird diese Technologie in den nächsten Jahren eine Reihe von neuen Jobs erzeugen bzw. Spielplatz für bereits bestehende Berufe und deren Tätigkeiten sein. Die Abbildung von Jon Radoff zeigt ein paar Beispiele dafür.


Ich sehe daher unter bestimmten Bedingungen folgende Relevanz des Metaversums für euer People Management:

  1. Wenn euer Unternehmen Menschen aus diesen Jobgruppen beschäftigt, dann ist es für euch wichtig diesen Trend aktiv zu verfolgen. Wenn ihr euch im Thema "Metaversum" auskennt, könnt ihr eine bessere People Experience gestalten.

  2. Die Nutzung des Metaversums wird Weiterbildung benötigen. Eine tiefe Kenntnis dieser Technologie ist der Ausgangspunkt für die Gestaltung darauf angepasster Re-Skilling- und Karrierepfade.

  3. Wenn diese Jobgruppen und deren Skillset heute oder zukünftig zu euren Zielgruppen im Recruiting gehören, dann bietet das Metaversum einen Ort zum Verstehen dieser Zielgruppen. Ein Metaversum eignet sich auch für deren frühzeitige Ansprache oder zur Erweiterung eures Talent-Netzwerks.

  4. Wenn eure Unternehmensmarke einen innovativen und technologischen Kern hat, dann ist das Metaversum ein weiterer Ort euch echte "Street-Cred" zu holen. Findet ausgeklügelte Wege diesen Kanal zu nutzen und stärkt so die Medienpräsenz eurer AG-Marke.

  5. Arbeitet frühzeitig an der Idee von "Next-Level-Karrieremessen" im Metaversum. Es ist ein Ort für globale virtuelle Begegnung und Interaktion. Durch das Element der virtuellen Realität könntet ihr etwas angestaubte Formate im Gewand virtueller Erlebnisse auferstehen lassen.

  6. Virtuelles Onboarding kann in den "abgespeckten" Enterprise-Versionen des Metaversums bereits heute getestet werden. Zusammen mit Elementen der Gamifizierung kann hier ein echter Hebel für junge und Technologie affine Nachwuchkräfte geschaffen werden. Auch zum Aufbau eines nachhaltigen Nachwuchskräfte-Pools (z.B., Auszubildende, Schüler:innen, Studierende) eignen sich diese virtuellen Spielwiesen sehr.

  7. Das Metaversum kann einen zusätzlichen Boost für euer hybrides Arbeitsmodell bieten. Definiert die relevanten Zielgruppen, die eine so innovative Umgebung mögen werden und gestaltet tolle virtuelle Arbeits- und Begegnungswelten oder vernetzt globale verteilte Teams für flexible Kooperation.

Mein persönlicher Standpunkt

Als plattform-basiertes Ökosystem wird das Metaversum ein Ort der co-kreativen Zusammenarbeit werden. Das tolle daran ist, dass ihr selber entscheiden könnt, ob und wie ihr dieses Potenzial nutzen wollt. Wenn die technologischen Hürden nach und nach fallen, wird eure Freiheit der Nutzung dieser virtuellen Erlebniswelt nahezu unbegrenzt sein. Behaltet einen wachsamen und insbesondere realistischen Blick auf das Metaversum. Lasst euch nicht zu sehr vom Hype mitreißen, sondern wägt ab, ob ihr diesen virtuellen Ort für einen sinnvollen Use Case oder für Experimente mit neuen Formaten nutzen könnt. Probiert euch frühzeitig aus, lernt dadruch den optimalen Umgang mit dem Metaversum ... für euch und euer People Management.


Wie schätzt ihr das Potenzial des Metaversums für People Management ein?

 
 

Additional information: This article reflects my personal views only and is not necessarily the view of the companies, I am associated with.

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